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Construction site with heavy machinery and workers.Construction site in a dense urban area with excavation machinery and multilevel foundation work.

Geotechnische Herausforderungen der innerstädtischen Nachverdichtung

Hoch hinaus gebaut – sicher gegründet: Warum geotechnische Expertise bei Hochhäusern im urbanen Raum entscheidend ist.

Sven Möller

von Sven Möller

Superlative im Hochhausbau: Ein Blick auf die internationale Entwicklung

Da innerstädtische Flächen immer knapper werden, bauen Architekt*innen und Städ­te­pla­ner*innen weiter in die Höhe. Die wirt­schaft­li­che Gründung dieser Sonder­bau­ten verlangt eine besondere geotech­ni­sche Expertise.

Mit seinen beeindruckenden 828 Metern Höhe erhebt sich der Burj Khalifa majestätisch über den Himmel Dubais. Mit über 160 Stockwerken hält er derzeit den Titel des höchsten Wolkenkratzers der Welt. Doch dieser Rekord steht bereits auf wackeligen Füßen: Der Jeddah Tower im benachbarten Saudi-Arabien soll die 1.000-Meter-Marke überschreiten. Auch in China und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind ähnlich hohe Bauwerke in Planung.

 

Hochhäuser in Deutschland: Sonderbauten mit besonderen Anforderungen

Hierzulande ist man von Gebäuden dieser Höhe noch weit entfernt. Das höchste deutsche Hochhaus, der Commerzbank Tower in Frankfurt, misst gerade einmal 260 Meter – im inter­na­tio­na­len Vergleich ein Zwerg unter den Wolken­krat­zern. Dennoch definiert die Landes­bau­ord­nung Hessen bereits Hochhäuser mit mehr als 22 m Höhe als Sonder­bau­ten. 

Diese Sonder­bau­ten stellen Bauherren, Projekt­ent­wick­ler*innen und Investoren vor viele rechtliche, finanzielle, umwelt­be­zo­gene und fachliche Fragen. Die im Untergrund verborgenen geotech­ni­schen Aspekte bei der Herstellung eines Bauwerks werden dabei oft unter­schätzt. Doch erst ein sorgfältig erkundeter Baugrund und eine durchdacht geplante und bemessene Baugrube machen Hoch­haus­grün­dun­gen und die notwendigen Tief­bau­ar­bei­ten wirt­schaft­lich.

Der inner­städ­ti­sche Raum stellt höchste Anfor­de­run­gen an das Grün­dungs­kon­zept. Beengte Platz­ver­hält­nisse, oft mit direkt angren­zen­der Versorgungs- und Verkehrs­in­fra­struk­tur sowie Bebauung, erschweren die Planung und Ausführung der Tief­bau­ar­bei­ten. In manchen Städten wie Frankfurt am Main kommen schwierige Baugrund­ver­hält­nisse hinzu, die den Abtrag hoher Lasten oder die Herstellung einer wasser­dich­ten Baugrube noch kompli­zier­ter machen.  

Mit vier bis fünf Unter­ge­schos­sen erreicht die Baugrube schnell eine Tiefe von 20 Metern oder mehr und muss damit statisch wirksam umschlossen werden. Außerdem muss sie gegen Grundwasser geschützt oder das Grundwasser abgesenkt werden. In beiden Fällen sind immer auch wasser­schutz­recht­li­che Aspekte zu – insbe­son­dere dann, wenn bei der Entnahme von Grundwasser schad­stoff­be­las­tete Wässer gefördert werden, die vor Wieder­ein­lei­tung aufzu­be­rei­ten sind. Zudem werden beim Aushub der Baugrube große Erdmassen und ggf. auch Altbau­sub­stanz bewegt, die fachgerecht untersucht und entsorgt werden müssen.  

 

Construction site with heavy machinery and deep excavation pit in Frankfurt.
Tiefbauarbeiten für die Gründung des Omniturms in Frankfurt am Main

 

Kombinierte Pfahl-Plattengründung: Bewährte Lösung für hohe Lasten

Um die großen Hoch­haus­las­ten sicher abzutragen und Setzungen bei benach­bar­ten Bestands­ge­bäu­den zu vermeiden, hat sich die Kombinierte Pfahl-Plat­ten­grün­dung (KPP) als wirt­schaft­li­che Grün­dungs­art bewährt. Dabei werden die Lasten – wie der Name bereits andeutet – nicht ausschließ­lich über die Funda­ment­platte, sondern zusätzlich über Grün­dungs­pfähle in den Untergrund abgetragen. Da sich die Elemente Pfahl, Baugrund und Bodenplatte gegenseitig beein­flus­sen, sind diese Wech­sel­wir­kun­gen mit Hilfe mehr­di­men­sio­na­ler numerischer Modelle und in enger Abstimmung mit dem Trag­werks­sta­ti­ker Hochbau exakt zu bemessen – eine in der Branche nicht alltägliche Aufgabe, die Fachwissen und Kompetenz voraussetzt.

Construction site with workers, excavators, and large concrete pillars in a muddy area.
Omniturm Frankfurt: Aushubarbeiten mit Freilegung der Gründungspfähle

 

Geotechnische Planung als Gesamtsystem

Die technisch und wirt­schaft­lich optimalste Grün­dungs­va­ri­ante zu finden, erfordert immer das gleich­zei­tige Eindenken in mehrere Aspekte: Das Bauwerk mit seinen Lasten, die bauliche Situation im Umfeld, die Beschaf­fen­heit von Baugrund, Grundwasser und Aushub­ma­te­rial sowie die Baulogistik im Zuge der Gründung müssen berück­sich­tigt werden. Mit einer fundierten geotech­ni­schen Planung und Beratung aus einer Hand haben Investoren, Bauherren und Projekt­ent­wick­ler*innen die Gewissheit, dass ihr Bauwerk von Anfang an auf einem sicheren und ökonomisch tragfähigen Fundament ruht.

 

Geotech­ni­sche Kategorie

Einschlä­gi­ge Normen im Bauwesen ordnen Stan­dard­bau­ten wie Ein- und Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser in die geotech­ni­schen Kategorien 1 bis 2 ein. Hochhäuser dagegen zählen zur geotech­ni­schen Kategorie 3 und verlangen erweiterte geotech­ni­sche Kenntnisse und Erkundungen.

 

Construction site with metal rebar framework and workers in safety vests.
Projekt

Omniturm Frankfurt

Der Omniturm zeigt, wie Geotechnik urbane Verdichtung erst möglich macht. Auf dem engen Metzler‑Areal inmitten Frankfurts Hochhausensemble plante CDM Smith die Baugrube und Gründung – eine Aufgabe, die Präzision, Erfahrung und intelligente Lösungen für hohe Lasten und minimale Platzverhältnisse verlangte.

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