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Multiple electrical transmission towers against a blue sky.Multiple electrical transmission towers against a blue sky.

Energiewende - Netzausbau in Deutschland und Europa

Im Hinblick auf die Energiewende gewinnt der Netzausbau in Deutschland und Europa immer mehr an Bedeutung. Im Interview gibt Nadja Pappenberger spannende Einblicke in das Themengebiet.

Nadja Pappenberger

von Nadja Pappenberger

Nadja Pappenberger im Interview

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CDM Smith

Wie wird Strom erzeugt und wo kommt er her?
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Nadja Pappenberger

Strom wird auf unterschiedlichste Weise erzeugt. Nach wie vor wird Strom nuklear, also durch Kernspaltung, aber auch durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, wozu auch Kohle zählt, erzeugt. Aufgrund der Energiewende werden erneuerbare Energien, wie beispielsweise Wasserkraftanlagen, Windkraftanlagen oder Photovoltaikanlagen vermehrt eingesetzt. Je nach Standort haben diese Anlagen eine unterschiedliche Effizienz, also einen unterschiedlichen Wirkungsgrad und können deshalb mehr oder weniger rentabel sein. Hierbei entstehen keine klimaschädlichen Emissionen, zumindest nicht bei der Stromproduktion. Im Gegensatz zu den endlichen Ressourcen der fossilen Energiegewinnung sind die Energiequellen von Erneuerbaren Energien praktisch unendlich bzw. erneuern sich relativ schnell und stellen damit den Kern der Energiewende dar.
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Wie ist die aktuelle Lage in Deutschland?
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Nadja Pappenberger

Die damit einhergehende Verlagerung der Energieerzeugung von einer eher dezentralen zu einer zentralen Energieerzeugung führt zu einer veränderten Belastung des bestehenden Stromnetzes, wodurch der Netzausbau notwendig wurde. Allerdings wäre der Netzausbau auch ohne Energiewende notwendig gewesen. Nur nicht in diesem Ausmaß.
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Wie entwickelt sich der Netzausbau in Europa?
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Nadja Pappenberger

Tatsächlich ist, auch wegen der Energiewende, der Netzausbau ein europäisches Thema, denn es gibt keine streng getrennten Netze, weil Stromleitungen an Ländergrenzen nicht aufhören. Besonders das nicht ausreichend ausgebaute deutsche Stromnetz hat in der Vergangenheit in Nachbarländern wie Polen, aber auch entfernten Ländern wie Spanien, zu großen Problemen und fast zu Blackouts geführt. Man muss sich das so vorstellen: Das europäische Energienetz ist miteinander verbunden, um Spitzen in der Energieerzeugung, aber auch im Energieverbrauch bestmöglich auffangen und verteilen zu können. Aber: Einmal in das Netz eingespeister Strom fließt bis zu einem Punkt, an dem er verbraucht wird. Und: Strom folgt dem physikalischen Prinzip des einfachsten Widerstands. So kann es passieren, dass der Strom ggf. einen Umweg über eine weniger ausgelastete Leitung nimmt und deshalb z. B. durch Polen fließt. Das Problem hierbei ist, dass der zusätzliche Stromfluss jedoch nicht geplant ist. Das kann die Leitung überlasten und im schlimmsten Fall zu einem Blackout führen. Solche ungeplanten Stromflüsse nennt man Ringschlüsse und die kommen leider gar nicht so selten vor. Das nicht ausreichend ausgebaute deutsche Stromnetz, in Kombination mit der zentral europäischen Lage Deutschlands ist also aus europäischer Sicht ein nicht unerhebliches Problem. Allerdings stehen auch in unsren Europäischen Nachbarländern Projekte der Energiewende und des Netzausbaus an, unabhängig vom Deutschen Stromnetz.
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Was versteht man unter dem „NOVA-Prinzip“?
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Nadja Pappenberger

Das ist ein Prinzip der Wirtschaftlichkeit. Vereinfacht gesagt, kommt Netzoptimierung vor Netzverstärkung vor Netzausbau. Die Energiewende verlangt eine Verbesserung der vorgenannten Prozesse. Es gibt einfache Maßnahmen, mit denen durch bestehende Leitungen mehr Strom fließen kann, z. B. durch bewusstes Monitoring der Leitungen. Gekühlte Leitungen können mehr Strom transportieren als ungekühlte. Somit kann eine Freileitung an windigen kühlen Tagen mehr Strom transportieren als an heißen, windstillen Tagen. Dann gibt es bestehende 220kV-Leitungen, die durch Verstärkungsmaßnahmen auf ein 380kV-Leitung erweitert werden können. Auch hier bleibt die ursprüngliche Trasse genutzt. Am Ende steht der Ausbau, also das Finden neuer Trassen. Das ist in Deutschland gar nicht so einfach.
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Welche Auswirkungen hat der Netzausbau auf Menschen und Umwelt?
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Nadja Pappenberger

Bezogen auf den Menschen muss die Frage anders herumgestellt werden, denn der Mensch ist es, der den Netzausbau notwendig macht und die Energiewende ist ein Umweltschutzprojekt für unsere Zukunft. Dies sollte man nicht vergessen. Niemand ist bereit, auf Strom zu verzichten, denn Krankenhäuser, Wasserwerke, Kläranlagen und Müllverbrennungsanlagen müssen laufen. Unser Leben ist ohne Strom so nicht vorstellbar. Gleichzeitig möchte niemand einen Strommast in seinem Garten haben oder neben einem Umspannwerk wohnen. In Deutschland gibt es aber Regelungen, wie nah eine Stromleitung an eine Siedlung herangebaut werden darf. Paradoxerweise gibt es aber keine Regelung, wie nah eine Siedlung an eine bestehende Leitung gebaut werden darf. Bezogen auf die Umwelt ist das ein schwierigeres Thema, denn große Infrastrukturmaßnahmen gehen immer einher mit Eingriffen in die Umwelt. Oft sind hier auch Gebiete betroffen, die eigentlich geschützt sind und geschützt gehören. Aktuell wird zum Beispiel die Fulda-Main-Leitung mitten durch die Rhön, ein Biosphärenreservat, geplant. Der Gesetzgeber hat für geschützte Flächen, die dennoch unbedingt benötigt werden, vorgesehen, dass sogenannte Ausgleichsflächen erstellt werden müssen. Beim Stromnetzausbau stellt sich aber doch die Frage, ob hier nicht das große Ganze, das letzten Endes auch dem Klimaschutzziel, der daraus resultierenden Energiewende, und somit dem Umweltschutz geschuldet ist, im kleineren Maßstab dem Umweltschutz der einzelnen Flächen übergeordnet bleiben sollte. Erwärmt sich unser Klima weiter, gibt es am Ende vielleicht keine schützenswerten Flächen oder Arten mehr.

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